Die Palette reicht von den Leseanfängen über Leseorte und Lebensbücher bis hin zu der Bibliothek der ungelesenen Bücher (…) Hinreißend, wie er Galsan Tschinag sich an seine Initiation als Schriftsteller bei einem Besuch Erwin Strittmatters erinnert, dem er demonstriert, wie man mit dem Lasso Ponys fängt. Und frappierend, wie er bei der Lektüre von Hemingways “Der alte Mann und das Meer” über den Satz “Ich töte dich, weil ich dich liebe” stolpert und daraus seine Konsequenzen zieht: “Das kann unsereiner nicht verstehen. Wenn ich etwas liebe, muss ich sehen, dass es am Leben bleibt. Gut, dann habe ich Hemingway entlassen.” Die Auflistung der erwähnten Bücher am Ende des Bandes schließlich demonstriert die Fülle der angesprochenen Genres und lädt zum Weiterlesen ein.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Eines der erstaunlichsten Projekte unter den Literaturzeitschriften in diesem Jahr.
Denis Scheck, DLF Büchermarkt
„Das Leben als Leser“, das die von Jan Valk und Jonas Reuber herausgegebene Zeitschrift (…) in einer grandiosen Sonderausgabe untersucht , nimmt selbst bei einem Filmregisseur wie Volker Schlöndorff einen Raum ein (…) Welche Bedeutung hatte Defoes „Robinson Crusoe“? Glühten die Ohren bei Stevensons „Schatzinsel“ oder Coopers „Lederstrumpf“? Wie war das mit Hermann Hesse? Und: Darf’s heute noch Karl May sein? (…) All das erfährt man und bekommt nebenbei Tipps wie den von Dietmar Dath, dass man ohne die Lektüre von Steve Ayletts Fakebiografie „Lint“ nicht ins Grab sinken sollte. Die Lebendigkeit des Gesprächs entsteht sowohl durch seinen hohen Grad an Mündlichkeit wie durch die Parallelmontagen und Einrückungen, die typografisch simulieren, wie sich die Mitwirkenden ins Wort fallen. (Komplette Rezension siehe Link)
GREGOR DOTZAUER im Tagesspiegel
Auf welchen Lese-Wegen man zu einem Dichterleben gelangen kann, verdeutlicht in einer schönen Bekenntnis-Collage das neue Heft, die sechste Ausgabe der Zeitschrift „sprachgebunden“. Die Herausgeber Jan Valk, Jonas Reuber und Traudl Bürger haben mit insgesamt fünfzehn Autoren und Ästheten aus allen Weltwinkeln über ihre literarische Sozialisation gesprochen und daraus eine Stimmen-Komposition über das Lesen geknüpft. Ausgangspunkt ist die berühmte Feststellung des argentinischen Weltautors Jorge Luis Borges, dass er sich das Paradies immer als eine Bibliothek vorgestellt habe. In diesem Sinne einer Lebens- und Welt-Erweckung erzählen die einzelnen Autoren von ihren Urszenen der Lektüre … (kompletter Text, siehe Link)
MICHAEL BRAUN im Saarländischen Rundfunk
sprachgebunden hat Gespräche von (…) 15 unterschiedlichen Vielleserin und Viellesern, welche in den letzten zwei Jahren geführt wurden, zu einem Tischgespräch (inklusive dem teilweisen Neben- und Gegeneinander von Stimmen) collagiert. Dieses „Gespräch“ ist der Inhalt des gesamten Heftes. Dabei gelingt es der Zeitschrift, den Fluss eines guten Gesprächs zu simulieren und trotzdem einem inhaltlichen Faden zu folgen. (…) Das Layout der sprachgebunden erinnert diesmal an formale Experimente der frühen sowjetrussischen Avandgarde und stellt einfach mal so neue Regeln für Layoutelemente auf: Kapitelüberschriften laufen am unteren Rand mit, Zitate, Verweise, Definitionen und Nachweise werden säuberlich als (verschiedenfarbige) Kolumnen geführt, die Endnoten werden nicht am Ende des Textes vermerkt, sondern auf einer eingeschobenen Seite ungefähr nach drei Vierteln des Textes. Kleinigkeiten, die dazu anregen, immer wieder genauer zu schauen und auch über Layoutkonventionen nachzudenken.


Ausgabe 6: Das Leben als Leser
sprachgebunden im Abo
Ausgabe 3: Über|setzen
Ausgabe 4: Hitze
Ausgabe 5: Arabische Literatur & Kunst im Exil
Trajekt I: Woke up this Mornin’ / Got yourself a Gun
